Ungewisse Zukunft

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Der Abschiedsbrief

September2

Wenn ich viel Zeit habe, Denke ich viel Nach und ab und zu überkommt mich der Drang etwas zu Papier zu bringen.

Der Abschidsbrief
Gerade sitze ich vorm blinkenden Handydisplay
Spanne anderer Menschen Leben über Instagram
Die Bilder sie wecken Wünsche in mir
Wünsche nach Dingen, die jeder dort hat

Bilder von beigen Deko-schlafzimmerwänden
Die weiße Sofortbildkamera in zart-beringten Händen
Das weibliche Sixpack hinterm Low-carb Gericht
Ein übernatürlich schön geschminktes Frauengesicht

Und dann noch die Bilder von Babys
mit rießigen Augen

Auf einmal will ich Kinder
besser gestern als heut
um auch Bilder zu posten
von Mann, Kind und Haus
um Familie zu spielen
für die Öffentlichkeit

Ich öffne das Fenster und klicke auf „START“

Ich poste nun Bilder vom Sonnenaufgang
vom Himmel und Blumen und allem was kommt
vom Essen und Sport
von mir und dem Ort
wo ich bin

Bald finden auch andere mein Profil interessant
Herzen meine Bilder und Abonnieren mich bald
Schreiben Kommentare und warten darauf, noch mehr
Noch mehr zu erfahren von mir und meiner Welt

Fordern mich auf andere Bilder zu schießen
Fordern mich auf sich anzuschließen
Fordern und Fordern
Fordern mich ganz

Schlagen mir vor, dass beruflich zu tun
Treffen sich mit mir zum Shooting wo anders
Verlinken mich herzlich, versprechen ein baldiges
Treffen per „facetime“

Liege nun stumm im New Yorker Hotelzimmerbett rum und
Denke schmerzlich an früher zurück
Vermisse mein Leben vor dieser Zeit
Packe den Koffer und sage erfreut:

„Not back to the business, go back to my live!“
Beende das Online- und Restarte mein Real-live

Besuche nun Orte an denen ich vorher nie war
Schieße nie bilder, posiere nie wieder, schon klar
erzähle meine Geschichten nur Angesicht zu Angesicht

Genieße mein Leben ganz ohne Dich
Ganz ohne Dich, vermiss Dich nicht, Du ach
DU mein früher so heißgeliebtes

Internett

Der Gärtner

Juli2

Es war einmal ein Mann, er lebte in einem kleinen Häuschen am Rand einer kleinen Stadt, in einem fernen Land.

Er besaß nicht viel, denn er brauchte nur sich und war glücklich damit seiner Leidenschaft dem Gärtnern nach zu gehen. Jeden Morgen stand er auf und setzte eine kleine Kanne mit frischem Pfefferminz Tee auf. Dann ging er hinüber in sein Gewächshaus und befreite die Tomaten und andere, heimische Pflanzen vom Unkraut. Während er so vor sich hin arbeitete, erzählte er seinen Pflanzen von seinen Gedanken, seinem Leben und seinen Befürchtungen. Wenn die Glocken der Kirchturmuhr zur Mittagsstunde läuteten, verließ er sein Gewächshaus und bereitete sich ein Mahl mit all dem Gemüse, das seine Pflänzchen hergaben. Die meisten Nachmittage setzte er sich auf eine alte, eichenhölzerne Bank vor seinem Haus und las ein paar Stunden in einem seiner vielen Bücher. Er genoss die Ruhe um Ihn herum und die Sonne, wie sie seine Nasenspitze kitzelte.

Eines Tages, es musste wohl gegen drei Uhr mittags gewesen sein, fiel ein Schatten auf sein Buch und er blickte auf. Vor Ihm stand ein alter Mann, seinen weißen, mindestens eine Elle langen Vollbart, trug er eher ungepflegt, wie auch der Rest seiner Kleidung einen heruntergekommenen Eindruck machte. Gastfreundlich und Hilfsbereit wie er war, bat er den Fremden herein und ließ Ihn mit sich speisen. Es stellte sich heraus, dass der Fremde auf der Durchreise war und ihm jeder vorher die Nase vor der Tür zugeschlagen hatte. Dem Gärtner, den das Verhalten der Stadtleute nicht verwunderte, bot dem Alten sein Bett an und schlief bei seinen Pflanzen im Gewächshaus. Als er am Nächsten Morgen erwachte, war der Fremde verschwunden. Anstelle von Ihm stand ein Pflänzchen auf dem Tisch. Er begutachtete sie und musste feststellen, dass er nicht wusste, um welche Pflanze es sich hier handelte. Er stellte sie zu den anderen in sein Gewächshaus und kümmerte sich um sie. Nun verbrachte er seine Nachmittage und Abende damit in seinen Büchern nach eben jener Art zu suchen, ja er fragte aus lauter Verzweiflung sogar die Stadtmenschen. Alles brachte nichts und so blieb Ihm nichts anderes, als zu warten was geschehen würde. Die Zeit verging und mit jedem Tag der ins Land zog, lernte er seine neue Pflanze kennen. Er stellte fest, dass sie das feuchte Klima des Gewächshauses nicht so sehr mochte, wie die warme Temperatur in seinem Haus und so teilte er sich nun dieses mit Ihr. Er schenkte Ihre so viel Aufmerksamkeit und Zuneigung, dass sie sich schnell entwickelte und Früchte hervorbrachte die viel süßer und lieblicher waren als alles was er je gegessen hatte. Einmal verlor er sie fast, weil er unwissentlich den falschen Dünger nahm. Einen ganzen Tag und eine ganze Nacht wich er nicht von Ihrer Seite, ja er vernachlässigte sogar all seine anderen Pflanzen, nur für sie. Doch sie trotzte allem und er war überglücklich über das Geschenk des alten Mannes.

Die Jahre vergingen wie im Flug und eines Tages klopfte es an der Tür. Es war jener alte Greis, der Ihm einst die Pflanze gab. Der Gärtner bat ihn abermals herein und bedankte sich bei Ihm.

>> Ihr habt mich als einziger mit offenen Armen empfangen, mir Speis und Trank gegeben und mich sogar in eurem Bett schlafen lassen. Darum bin ich wieder gekommen, um euch zu sagen, dass eure Pflanze dem ende nah steht. << Der Fremde unterbrach und trank einen Schluck seines Tees. Dem Gärtner war schon aufgefallen, dass die Exotin immer weniger Früchte trug und dass ihre Blühten jeden Sommer kleiner wurden.

>> Ich bin hier um euch, gutem Mann ein neues Pflänzchen zu bringen, jünger und frischer als das alte. << vollendete der Greis.

Eine lange Stille folgte, während der Mann über das Angebot des Fremden nachdachte. Schließlich antwortete er: >> Als Ihr das letzte Mal gingt, überließt Ihr mir dieses Pflänzchen. Ich sorgte mich und machte Fehler, die sie mir verzieh und mir reichlich Früchte schenkte. Sie begleitet mich nun schon mein halbes Leben und ich werde auch nicht jünger. Ähnlich wie Sie. Ich hätte nicht die Kraft um noch einmal von vorne zu beginnen. <<