Ungewisse Zukunft

Momentaufnamen

Pfefferminz-Kerl

Juli5

Teil 1

Er schmeckte nach Pfefferminz, also sein Kaugummi, das sich jetzt in meinem Mund befand. Wie genau es dahin gekommen war weiß ich nicht, aber es schmeckte noch sehr frisch, wie eben aus der Packung genommen. >>Bis dann!<< rief ich ihm noch lachend hinterher, da schloss sich auch schon die Tür der Straßenbahn. Nach weiteren 10 Minuten Fahrt verließ ich jene wieder und befand mich schon direkt vor meiner kleinen ein-zimmer-wohnung. Direkt im Erdgeschoss. Die 3 großen Fenster die alle zu meinem Apartment gehörten zeigten zur Straße und luden nicht selten fremde Menschen dazu ein, einfach mal „rein zu gucken“. Ich hatte mich, bzw. die  Fenster bereits mit Vorhängen bewaffnet, aber wehe da war mal einer Verrutscht, oder gar ein Fenster offen. Wie neugierig doch der Mensch ist. Im Moment war allerdings das ein zigstes Wesen, das spannte, mein Kater Lio, der wohl nach mir Ausschau gehalten hatte. Süß?

Naja eigentlich wartet er nur auf meine Rückkehr, weil er sein Abendessen kaum erwarten kann. Auch wenn das vielleicht erst mal herzlos wirkt, aber er bedankt sich ja auch immer direkt nach dem fressen bei mir, in dem er zum Verdauungs-kuscheln kommt. Jedenfalls nenn ich das so insgeheim, denn er kommt wirklich immer direkt danach zu mir. Mit meinen Gedanken beschäftigt bereitete ich ihm sein Mahl zu und ließ mir danach eine heiße Wanne ein. Während ich das Wasser so vor sich hinplätschern ließ, lief ich hinüber  zu meinem Bett, das ich im hinteren Teil des Zimmers, hinter einem Ikea-raumteiler versteckt hatte und schnappte mir mein Ladekabel und den Schinken den ich zurzeit las. Ein Historischer Roman, die las ich quasi am liebsten, obwohl ich auch ab und an nichts gegen einen Krimi einzuwenden habe. >>Heute mal romantisch?<< Meine Frage blieb unbeantwortet, während ich die Kerzen auf dem Vorsprung am Ende der Badewanne entzündete. Ich wollte mich schon meiner Klamotten entledigen, da viel mir siedend heiß ein, dass ich Zweistein vergessen hatte.

Zwei-stein, mein Hamster, der Nachfolger von Einstein, der leider nicht so klug wie sein Namensgeber gewesen war und sich von Lio hatte fressen lassen (zumindest vermutete ich das, gefunden hab ich ihn nämlich nie).  Schulbewusst füllte ich seien Napf bis zum Rand und legte ihm noch eine getrocknete bananenscheibe dazu. Beruhigt schloss ich die Badezimmertür und stieg in das wohltuende Nass. Am liebsten bade ich nach einem anstrengenden Tag in Erkältungsbad, diese Mischung aus Kräutern ist einfach herrlich. Vielleicht mochte ich den Kerl deshalb von Anfang an so sehr. Weil er immer nach Pfefferminz duftete. Apropos, dachte ich und lehnte mich über den Wannenrand vor, bis ich das Kaugummi in den kleinen, metallenen Mülleimer schmeißen konnte. Ja, er. Ein 1,90m großer Kerl, dessen blonde Mähne wirklich überhaupt nichts über seine Intelligenz aussagte. Ganz im Gegenteil, er studiert sogar Medizin in einer Fakultät in Erlangen. Kluger Kopf, guter Küsser und nettes Aussehen.

OKEY, er sieht verdammt gut aus, mit seinem trainierten Körper, braungebrannt und so das komplette Gegenteil von mir, dem Milchbrötchen mit Tupfern. Seinen echten Namen möchte ich lieber nicht verwenden. Nennen wir  ihn doch einfach den Pfefferminz-Typ? Nö, das ist definitiv viel zu lang. Dann eben Peter, ja nennen wir ihn Peter. Also Peter ist so ziemlich das Gegenteil von dem was ich als mein „Beuteschema“ bezeichnen würde. Aller Wahrscheinlichkeit nach wären wir uns unter  normalen Umständen nie begegnet, oder hätten uns zumindest nie mals kennengelernt.

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